Ich mache keine Wärmedämmung – Die Wand muss atmen!

Haben Sie diesen Satz so oder so ähnlich bereits gehört oder sind selbst dieser Auffassung? Die Antwort, ob Mythos oder Fakt können wir Ihnen gleich geben, bevor wir es weiter erläutern.

Es ist ein Mythos, der auf eine irrtümliche Interpretation von Prof. Max von Pettenkofer zurückgeht. Nachfolgend der Auszug von Wikipedia:

Pettenkofer unterlief ein Irrtum, der bis heute nachwirkt, indem viele Menschen glauben, es gebe eine „Atmende Wand“: Er stellte bei frühen Luftwechsel-Messungen in einem Zimmer fest, dass sich nach dem vermeintlichen Abdichten sämtlicher Fugen die Luftwechselrate weniger als erwartet verminderte. Daraus schlussfolgerte er einen erheblichen Luftaustausch durch die Ziegelwände hindurch. Vermutlich kam er nicht darauf, den Kamin eines im Raum befindlichen Ofens abzudichten. Luftaustausch durch die Zimmerwände hindurch sei, so Pettenkofer, ein wesentlicher Beitrag zur Reinigung der Raumluft.

Den ganzen Artikel über Max von Pettenkofer finden Sie bei Wikipedia.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Außenwände nicht luftdurchlässig sind! Der einzig messbare Stoffdurchgang durch massive Bauteile ist die Diffusion von Wasserdampfmolekülen.

Dämmung an einem Einfamilienhaus

An unserem Beispiel Einfamilienhaus haben wir eine zu dämmende Fassadenfläche von 120 m². Durch die Dämmung vermindert sich die durch die gesamte Außenwand (120 m²) diffundierende Wassermenge um maximal 90 Liter pro Heizperiode. Im gleichen Zeitraum verdunsten in dem Gebäude durch Kochen, Duschen etc. 1.500 – 2.000 Liter Wasser.

Nehmen wir an, die ungedämmte Wandfläche des Badezimmers entspricht 7 m². In einem drei Personen Haushalt entstehen bei der morgendlichen Dusche etwa 1.200 Gramm Wasserdampf, von denen innerhalb 24 Stunden nur 60 Gramm durch die ungedämmte Wand diffundieren können. An diesem Beispiel sieht man, dass ein gesundes Raumklima nur durch entsprechende Fensterlüftung bzw. durch Lüftungsanlagen zu gewährleisten ist.

Durch eine Mineralwolle Dämmung wandert Wasserdampf genauso gut wie durch Luft, Polystyrol Dämmplatten sind nicht dampfbremsender als Holz.

In der nachfolgenden Grafik von Zukunft Altbau sehen Sie die Oberflächentemperaturen im Vergleich ungedämmt vs. gedämmter Außenwand.

Wand muss atmen

Bildquelle: Zukunft Altbau

Wie an der obigen Grafik zu sehen sind die Oberflächentemperaturen an einer Außenwand extrem unterschiedlich im Vergleich ungedämmte Wand (in Blau) und gedämmter Wand (in gelb). Die Wärmedämmung bringt also nicht nur eine deutliche Energieersparnis, sondern auch ein viel besseres Wohnklima.

Häufige Fragen zum Mythos „atmende Wand"

Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Mythos der atmenden Wand, Bauphysik, Feuchteschutz und richtiges Lüften.

Muss eine Wand wirklich atmen?
Nein. Eine Wand atmet nicht im eigentlichen Sinn. Der Luftaustausch in Gebäuden erfolgt hauptsächlich über Fensterlüftung, Lüftungsanlagen und Undichtigkeiten, nicht über massive Außenwände.
Was bedeutet der Ausdruck atmende Wand?
Mit dem Ausdruck atmende Wand ist meist gemeint, dass Feuchtigkeit durch Bauteile wandern kann. Bauphysikalisch geht es dabei jedoch um Wasserdampfdiffusion und Feuchtespeicherung, nicht um echten Luftaustausch.
Verursacht Dämmung Schimmel?
Eine fachgerecht geplante und ausgeführte Dämmung verursacht keinen Schimmel. Schimmel entsteht meist durch Feuchtigkeit, Wärmebrücken, falsches Lüftungsverhalten oder bauliche Mängel.
Warum ist Luftdichtheit bei Gebäuden wichtig?
Luftdichtheit ist wichtig, damit keine warme, feuchte Innenluft unkontrolliert in Bauteile eindringt und dort kondensiert. Eine luftdichte Gebäudehülle verbessert Energieeffizienz, Komfort und Feuchteschutz.
Wie wird Feuchtigkeit im Gebäude richtig abgeführt?
Feuchtigkeit wird vor allem durch regelmäßiges Lüften oder eine geeignete Lüftungsanlage abgeführt. Wände übernehmen diese Aufgabe nicht ausreichend.
Sind diffusionsoffene Baustoffe trotzdem sinnvoll?
Ja. Diffusionsoffene und feuchteregulierende Baustoffe können bauphysikalisch sinnvoll sein. Sie ersetzen jedoch keine ausreichende Lüftung und keine fachgerechte Planung.
Warum sollte Dämmung bauphysikalisch geplant werden?
Eine bauphysikalische Planung berücksichtigt Feuchteschutz, Wärmebrücken, Luftdichtheit, Dämmstoffwahl und Gebäudenutzung. So lassen sich Energieeinsparung, Wohnkomfort und Schimmelschutz miteinander verbinden.